Wichtige Fragen und Antworten fürGewerbekunden

Die Liberalisierung des Strommarktes bedeutet, dass Sie Ihren Lieferanten wechseln können. Wir wollen Ihnen im Folgenden dazu einige Hinweise geben. Auch hier empfiehlt sich, wie grundsätzlich im Wirtschaftsleben, zunächst die Sammlung und Prüfung der Angebote.

Wie finde ich Anbieter und das für mich passende Angebot?

Grundsätzlich ist es der einfachste Weg, Informationen über Angebote und Preise über das Internet einzuholen. Hier finden Sie alle am Markt vertretenen Energieversorger. Einen Überblick über die vorhandenen Anbieter für Ihre jeweilige Region bieten Ihnen Stromseiten, die sie mittels der Suchmaschinen mühelos erreichen. Dort finden Sie in den meisten Fällen einen Tarifrechner, der Ihnen nach Eingabe Ihres Verbrauches die günstigsten Anbieter und deren Angebote mit den für Ihren Verbrauchsfall berechneten Kosten präsentiert. In den meisten Fällen bieten sich hier direkt Links zu den für Sie günstigsten Stromversorgern. Verfügen Sie nicht über einen Internetanschluss, finden Sie vielfach Preisübersichten in den örtlichen Tageszeitungen. Zusätzlich bieten Ihnen die Verbraucherberatungen vor Ort und die Stiftung Warentest einen Überblick über die Angebote. Dort haben Sie den Vorteil, dass neben Preisinformationen auch Tipps zu Vertragskonditionen und Ähnlichem gegeben werden können. Die in Betracht kommenden Angebote sollten Sie, wie bei jedem anderen Produkt auch, genau prüfen. Es handelt sich hier um ein neues Marktsegment, welches durch die erschwerte Erklärbarkeit der angebotenen Ware Strom auf den ersten Blick nicht leicht verständlich scheint. Grundsätzlich gilt es aber auch hier vorrangig die Punkte zu beachten, die auch sonst im Wirtschaftsleben bedacht werden sollten.

Welche Vertragslaufzeit wähle ich ?

Die Preise auf dem Strommarkt sind in permanenter Bewegung. Bei längeren Laufzeiten sichern Sie sich bereits jetzt Ihre Planungssicherheit für bis zu 36 Monaten.

Wie erfolgt die Zahlung ?

Grundsätzlich besteht, wie fast überall, die Möglichkeit auf Rechnung zu zahlen oder eine Einzugsermächtigung zu erteilen. Einige Anbieter geben bei Erteilung einer Einzugsermächtigung einen Preisnachlass wegen des für sie geringeren Verwaltungsaufwandes.

Was sollte ich bei den Preisangaben beachten ?

Bei der Auswahl eines Stromanbieters sollte darauf geachtet werden, dass neben den angegebenen Preisen keine weiteren Kosten zu tragen sind. Auch bei der Rechnungsstellung ist auf Übersichtlichkeit und Transparenz zu achten. Einige Anbieter geben hier schon die einzelnen Kostenbestandteile des Gesamtpreises (Energiepreis, Durchleitungsentgelt, Steuern etc.) getrennt an.

Welche Besonderheiten gibt es bei Kunden mit Wärmestrom ?

Eine nicht geringe Anzahl von Kunden nutzen Elektrizität zur Wärmegewinnung. Typisch sind hier Nachtspeicherheizungen, Wärmepumpen und große Warmwasserspeicher. Das besondere daran ist, dass diese Geräte mittels spezieller Steuerungen nur dann Strom beziehen, wenn das Stromnetz gering belastet ist, also außerhalb der sogenannten Spitzenzeiten und vorwiegend nachts. Diese Kunden wurden durch die örtlichen Stromversorger auf der Basis von Sondertarifen versorgt, der in der Regel über einen zweiten Zähler (mit Zeitschaltgerät) abgerechnet wurde. Für diese Kundengruppe sind jedoch noch nicht alle Abwicklungsfragen für den Lieferantenwechsel gelöst – an der Lösung wird jedoch gearbeitet. Deshalb sollten diese Kunden den neuen Lieferanten auf ihre besondere Situation hinweisen (wird nicht immer in den Antragsformularen angefragt) und, bevor Kündigungen veranlasst werden, mit dem neuen Lieferanten die Machbarkeit der Belieferung klären.

Wie kündige ich den bestehenden Stromliefervertrag ?

Der Wechsel des Stromlieferanten setzt voraus, dass der bestehende Stromliefervertrag ordnungsgemäß (Fristen beachten) gekündigt wird. In der Regel wird Ihnen der gewählte neue Lieferant anbieten, den Altvertrag für Sie zu kündigen. Hierfür benötigt er von Ihnen eine Vollmacht. Diese Verfahrensweise hat sich bewährt, weil der Kunde von Formalien entlastet wird. Im übrigen wir dadurch auch sichergestellt, dass die vertragliche Abwicklung des Lieferantenwechsels koordiniert erfolgt. Es ist deshalb nicht empfehlenswert, dass Sie als wechselwilliger Kunden Ihr bestehendes Vertragsverhältnis (z.B. wegen Verärgerung) selbst beim Altlieferanten kündigen und erst dann einen neuen Anbieter suchen. Sie werden im allgemeinen zwar keine Schwierigkeiten haben einen neuen Lieferanten zu finden. Er wird aber möglicherweise nicht in der Lage sein, rechtzeitig die Belieferung aufzunehmen.

Wie lange dauert es, bis der neue Lieferant mir Strom liefert ?

Abhängig vom Eingang Ihres Auftrages bei dem gewählten Anbieter dauert es ca. ein bis höchstens zwei Monate, bis der Vertrag mit dem neuen Anbieter beginnt. In diese Zeit fallen die Kündigungsfrist des bisherigen Vertrages und die notwendigen Maßnahmen, um die Belieferung durch den neuen Anbieter einzurichten. Das BMWi hat durch seine Task Force in Zusammenarbeit mit den Verbänden der Energiebranche in einer Best-Practice-Empfehlung eine Verfahrensweise erarbeitet, die eine Umstellung binnen eines Monates ermöglicht und die sich als Regelfall durchsetzen wird.

Was passiert im Moment des Lieferantenwechsels ?

Von diesem merken Sie nichts. Der Strom kommt in der gleichen Qualität wie bisher über die selben Leitungen. Dafür ist weiterhin der lokale Netzbetreiber zuständig.

Wer zahlt die Durchleitungs- bzw. Netznutzungsentgelte ?

Durchleitung ist der gesetzliche Rahmenbegriff für den „Transport“ der von den Stromanbietern eingekauften elektrischen Energie zu den Abnehmern über die Fern- und Regionalnetze. Heute wird der Begriff der Durchleitung zunehmend durch den Begriff der Netznutzung ersetzt. Es gibt aus vorwiegend wirtschaftlichen Gründen jeweils nur ein örtliches Versorgungsnetz. Daher ist der jeweilige Netzeigentümer gesetzlich verpflichtet, die Elektrizität der verschiedenen Anbieter zu deren in seinem Netzbereich befindlichen Kunden durchzuleiten. Hierfür erhält er ein Durchleitungsentgelt (Netznutzungsentgelt). Dieses ist in dem von Ihnen an den Anbieter zu entrichtenden Strompreis nach der derzeit gängigen Vertragspraxis enthalten. Das bedeutet, dass ausschließlich Ihr Lieferant die Netznutzung bzw. die Durchleitung mit dem Netzbetreiber regelt und damit auch die Netznutzungsentgelte zu tragen hat. Er berücksichtigt diese ja auch bei der Kalkulation seines Strompreises. Nach den von der Elektrizitätswirtschaft anerkannten Verfahrensregeln kann von Ihnen grundsätzlich nicht verlangt werden, dass Sie neben Ihrem Lieferanten einen eigenen kostenpflichtigen Netznutzungsvertrag abschließen. Es besteht kein Anlass hiervon abzuweichen. Das gilt auch dann, wenn klargestellt wird, dass Sie nicht auf Zahlung der Netznutzungsentgelte in Anspruch genommen werden.

Gibt es noch Verträge mit dem Netzbetreiber ?

Wie geschildert, wird der von Ihnen gewünschte Strom weiter durch die bestehenden Netze des örtlichen Versorgers geleitet. Im Regelfall sind dies die Stadtwerke oder ein Regionalversorger. Sie sind als Kunde weiterhin an diese Netze angeschlossen. Änderungen am Hausanschluss oder den verlegten Leitungen werden aufgrund eines Anbieterwechsels nicht vorgenommen. Auch der vorhandene, dem Netzbetreiber weiterhin gehörende Zähler muss nicht getauscht oder entfernt werden. Die daraus resultierende, weiterbestehende rechtliche Beziehung zum örtlichen Versorgungsunternehmen regelt ein weiterer Vertrag. Dieser wird im Regelfall durch Ihren Lieferanten für Sie in Vollmacht abgeschlossen. Er ist notwendig, um weiterhin bestehende Rechte des Netzbetreibers (z.B. Kontrolle und Wartung des Hausanschlusses und des Zählers) zu ermöglichen. Die enthaltenen Bestimmungen entsprechen weitestgehend den bereits geltenden Allgemeinen Bedingungen für die Elektrizitätsversorgung von Tarifkunden (AVBEltV). Die Bezeichnung dieses Vertrages mit dem Netzbetreibers ist uneinheitlich. Häufig wird der insoweit unsaubere Begriff des Netznutzungsvertrages verwandt. Das ist unschädlich, sofern mit dem Abschluss des Vertrages keine Haftung für die Netznutzungsentgelte verbunden ist.

Was passiert, wenn mein Lieferant nicht mehr liefern kann ?

Sollte Ihr neuer Anbieter zur Lieferung von Strom, gleich aus welchem Grund, nicht mehr in der Lage sein, werden Sie ohne Unterbrechung von Ihrem lokalen Elektrizitätsversorgungsunternehmen im Rahmen der Ersatzversorgung weiter beliefert. Das ist durch den gesetzlichen Anschluss- und Versorgungszwang nach § 10 EnWG gesichert. Sie haben dann ausreichend Zeit, sich einen neuen Stromversorger zu suchen. Meist beträgt die Zeitspanne drei Monate. In dieser Zeit sind Sie Stromkunde des örtlichen Netzbetreibers und haben bei diesem dessen Strompreis zu entrichten.